Renaturierung des Pfungstädter Moors hat begonnen

18 Jahre nach Einstellung der Zuwässerung wird das Pfungstädter Moor nun wieder bewässert – Naturschutzverbände fordern nachhaltiges Projekt

Es war ein langes, zähes Ringen bis das Pfungstädter Moor nun endlich 18 Jahre nach der Einstellung der Zuwässerung, 11 Jahre nach dem Beschluss des Runden Tisches zur Grundwassersituation Hessisches Ried und sieben Jahre nach der Wassereimer-Aktion „Wasser Marsch“ seit Mitte Juli erneut bewässert wird. Letztlich ist dies das Ergebnis hartnäckiger, gemeinsamer Bemühungen vieler Naturschutzorganisationen, allen voran der Naturfreunde Pfungstadt, des NABU Pfungstadt sowie der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Kreisverband Darmstadt und Kreis Darmstadt-Dieburg (SDW DaDi) – und das wurde im Pfungstädter Moorhaus gebührend mit zahlreichen Gästen gefeiert. In seinem Grußwort betonte Gerald Hoffmann, stellvertretender Vorsitzender der Naturfreunde Pfungstadt, dass das Moor mittlerweile deutlich mehr sei als Schutzgebiet für Tiere und Pflanzen. Vielmehr würde es als Schwammspeicher auch die Aufgabe für Klimaanpassungsmaßnahmen erfüllen. Er hoffe, dass die Zuwässerung, die in der Pressemeldung des Regierungspräsidiums als freiwillige Leistung beschrieben wird, nicht bereits im kommenden wieder beendet wird. „Das Projekt sollte nachhaltig gestaltet sein“, so sein Appell, „und wenn die Zuwässerung eingestellt wird, müssen wir wieder laut werden!“

Regierungspräsident verspricht Nachhaltigkeit

Ministerin Heike Hofmann, die Mitglied des Runden Tisches „Hessisches Ried“ war, drückte ihre Freude über die Wiederbewässerung aus und richtete ihren Blick auf den heißen Sommer und darauf, wie wichtig Wasser sei. Dass der Sommer 2026 lehrt, wie elementar Wasser sei, darauf verwies auch der Regierungspräsident Prof. Dr. Jan Hilligardt. Er versprach, dass das Projekt nachhaltig angelegt ist und sich die Obere Naturschutzbehörde dafür einsetzen werde, dass Natur und Landschaft als Lebensqualität erhalten bleibt.

Nach den Grußworten von Pfungstadts Bürgermeister Maximilian Schimmel, gab Dr. Wolfgang Heimer, ehemaliger Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, einen Einblick in die Geschichte des Pfungstädter Moores. Lange Zeit hätte man Feuchtgebiete und Moore als unnützes Land angesehen. Gleichzeitig sei aber das Bewusstsein gewachsen, wie besonders das Pfungstädter Moor ist. Es steht bereits seit 1955 unter Naturschutz und beherbergt seltene Pflanzenarten und Tiere. Dennoch seien viele Arten gefährdet oder ganz verschwunden, so Wolfgang Heimer. Die Sumpfohreule beispielsweise habe1964 das letzte Mal in Südhessen gebrütet.

Moore speichern 500-mal mehr CO2 als Wald

Moore können pro Quadratmeter 500-mal mehr CO2 speichern als eine gleichgroße Waldfläche. Auch Auen und Auwiesen sind in der Lage Kohlenstoff zu speichern. Torf bindet zudem Schadstoffe – und senkt damit die Kosten für Trinkwassergewinnung, sagte Wolfgang Heimer. In Deutschland nehmen Moorböden vier Prozent der Fläche ein. Die meisten – 70 Prozent – befinden sich in Norddeutschland, 20 Prozent im Voralpenland. Der Rest verteilt sich auf das übrige Bundesgebiet. Nur noch ein Prozent der Moore ist intakt. Hoch- und Niedermoore sind größtenteils degradiert oder zerstört. Trocknen Moore aus, geben sie CO2 ab. Selbst Torf in der Gartenerde gibt CO2 ab, wenn es mit Luft in Kontakt kommt. Wolfgang Heimer bezeichnete die Wiederbewässerung als historischen Moment. Wichtig sei, dass die Moorkörper wassergesättigt sind, damit sie wachsen können.

Dr. Hermann Mikat, Leiter Wasserwirtschafliche Rahmenplanung Hessenwasser GmbH & Co.KG, erläuterte, welche Baumaßnahmen für die Zuwässerung vorgenommen wurden: Es wurden zwei Schächte und eine Sickerwasserleitung gebaut. Das Moor sollte mit einfachen Mitteln bewässert werden, ohne den Moorkörper zu schaden. Nun ist das Bewässerungssystem an das Beregnungsnetz angeschlossen. Insgesamt sollen 300.000 m3 Rheinwasser im Jahr zugewässert werden. Die Zuwässerung erfolgt von März bis Oktober. Gabriele Fillbrandt, Dezernatsleiterin Naturschutz (Schutzgebiete und biologische Vielfalt) beim Regierungspräsidium Darmstadt ergänzte die Fakten mit dem Ausblick auf das künftige Monitoring: Es sei ein hydrologisches Monitoring beauftragt, das darüber Aufschluss geben soll, wie die Zuwässerung am besten gesteuert wird. Es solle zu keiner Vernässung der landwirtschaftlichen Flächen kommen. Darüber hinaus sei ein naturschutzfachliches Monitoring geplant. Die erste Zuwässerung zwischen 1999 und 2008 hätte sich schnell positiv auf Vogel- und Insektenarten ausgewirkt.