Kategorie: Jahresbaum

  • 2021

    2021

    Jahresbaum 2021

    Stechpalme – Ilex aquifolium

    Dieser kleine Baum ist keineswegs eine Palme, er wächst in der Strauchschicht oder im Unterholz unserer Wälder. Meist bleibt er eher klein, kann an günstigen Standorten aber eine Höhe von 15m erreichen.

    Er ist immergrün, hat meist gezähnte, fast stachelige glänzend grüne derbe Blätter, wodurch er eher in den Wintermonaten auffällt. In England und Nordamerika werden die Beerenzweige als traditioneller Weihnachtsschmuck verwendet – allerdings sind sowohl diese leuchtendroten Früchte als auch die Blätter für den Menschen giftig.

    Copyright: Titelfoto Morkin

  • 2020

    2020

    Jahresbaum 2020

    Robinie – Robinia pseudoacacia

    Die Robinie ist seit über 300 Jahren, aus Nordamerika kommend, in Deutschland und Europa zuhause. Anfangs wurde sie vorrangig in Parks und Gärten gepflanzt und hat sich auch in den Wäldern verbreitet. Häufig anzutreffen sind Robinien auf trockenen Standorten wie Bahndämmen oder Brachflächen.

    Als Pionierbaum besiedelte sie nach dem 2. Weltkrieg viele Trümmerschuttflächen. Größere Flächen sind bis heute in Leipzig, Berlin und Stuttgart mit dem Baum des Jahres 2020 bewachsen.

    Mit Hilfe von Knöllchenbakterien ist sie in der Lage, Stickstoff aus der Luft aufzunehmen und dem Boden zu zuführen. Besonders stickstoffarme Standorte kann sie damit für andere Bäume bewohnbar machen. Für seltene Biotope, wie Magerrasen, kann diese Eigenschaft jedoch gefährlich werden. Die Stickstoffanreicherung verdrängt typische Pflanzen- und Tierarten der Magerrasenbiotope. Arten, die sowieso schon selten geworden sind. Von solch wertvollen Flächen sollte man die Robinie daher fern halten.

    In den Wäldern ist die anspruchslose Robinie seit dem 18. Jahrhundert anzutreffen, vor allem auf armen Standorten und auch für die Wiederaufforstung devastierter Waldflächen interessant. In den deutschen Wäldern kommt sie im Mischwald auf 20.000 Hektar vor. Ihr Flächenanteil liegt damit deutlich unter einem Prozent.

    Wegen ihrer Anspruchslosigkeit gegenüber Trockenheit wird die Robinie als Zukunftsbaum beim Klimawandel gehandelt. Auch in der Stadt wird sie favorisiert. Sie verträgt das innerstädtische Klima recht gut, nachteilig ist allerdings die Windbrüchigkeit der Äste.

    Ein großer Pluspunkt ist ihre Blütenpracht. Die stark duftenden Blüten hängen in 10 bis 25 Zentimeter langen Trauben vor dem Blattaustrieb an den Zweigen. Sie bieten reichlich Nektar und sind eine beliebte und wichtige Bienen- und Insektenweide. Ihr Honig wird als Akazienhonig verkauft und hat eine helle, schwachgelbliche Farbe.

    Bemerkenswert ist das Holz der Robinie. Es ist widerstandsfähiger und dauerhafter als Eichenholz. Da es im Außenbereich auch ohne chemische Konservierung lange stabil bleibt, ist es gut für Kinderspielplätze, Pfähle für Weinstöcke und Gartenmöbeln geeignet. Es kann Tropenholz ersetzen.

  • 2019

    2019

    Jahresbaum 2019

    Flatterulme – Ulmus laevis

    Ökologisch wertvoll und stark gegen das Ulmensterbe

    Die Flatterulme ist eine seltene Baumart, deren Erhalt einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leistet. Sie ist die Leitbaumart heute selten gewordener Bachund Flußauen. Manche Arten wie der Ulmenblattfloh kommen nur an der Flatterulme vor. Auch für alle anderen spezialisierten Ulmenbesiedler wie den Ulmenzipfelfalter ist sie eine „Rettungsinsel“ dort, wo die anderen beiden Ulmenarten dem Ulmensterben zum Opfer fielen.

    Seit über hundert Jahren kämpfen die Ulmen mit einem Pilz, der über den Kleinen und Großen Ulmensplintkäfer übertragen wird. Die Pilzsporen wachsen in den Leitbahnen des Baumes und unterbrechen die Versorgung der Blätter und Äste. Erst sterben die Äste ab, dann der ganze Baum. Jüngere Bäume halten nicht lange durch, bei älteren zieht sich der Prozess über mehrere Jahre, so dass sich in all den Jahren die Zahl der Ulmen stark vermindert hat. Im Gegensatz zur Bergund Feldulme ist die Flatterulme gegenüber dem Ulmensterben am wenigsten anfällig. Die Ulmensplintkäfer fliegen die Flatterulme wegen ihrer anderen Rindeninhaltsstoffe und -struktur deutlich seltener an als Berg- und Feldulme. Dies ist der Hauptgrund, warum Flatterulmen relativ häufig Epidemien des Ulmensterbens überleben, auch wenn in der weiten Umgebung alle Berg- und Feldulmen abgestorben sind.

    Die Flatterulme gehört nicht zu den Bäumen, die wir sofort erkennen. Ein Erkennungszeichen ist die Asymmetrie der Blätter am Blattgrund (siehe Foto) Die Unterseite der Blätter ist dicht grau behaart. Ulmensamen findet man manchmal auf Gewässern treibend. Die kleinen „Ufos“ können besonders gut schwimmen und gelangen so an neue Standorte. Bei der Flatterulme ist der Saum dieser Nussfrucht bewimpert und oben v-förmig eingeschnitten. Die Flatterulme ist in ganz Mitteleuropa heimisch und kommt bis zu einer Höhe von 600 Meter über NN vor. Sie hat mit etwa 250 Jahren ihr maximales Alter erreicht. Die in ihrer Jugendphase raschwüchsige Ulme erreicht 30 bis 35 Meter Höhe.

    Ulmenholz gehört zu den sehr festen und elastischen Hölzern. Eine bevorzugte Verwendung findet Ulmenholz (genannt Rüster) in der Anfertigung von massiven Möbeln. Im Erdboden und unter Wasser ist das Holz sehr dauerhaft, weshalb es auch gerne für den Brückenbau eingesetzt wird.

    Copyright: Titelfoto Hans

  • 2018

    2018

    Jahresbaum 2018

    Edelkastanie (Castanea sativa)

    Ökologisch wertvoll und für den Klimawandel geeignet

    Die Edelkastanie, bekannter unter dem Namen Esskastanie, wird 2018 im Mittelpunkt vieler Aktionen stehen. Dies entschieden die Mitglieder des Kuratoriums Baum des Jahres heute in Berlin, indem sie sie zum Baum des Jahres kürten. Geliebt wird sie vor allem wegen ihrer stärkereichen und glutenfreien Früchte, bekannt als Maronen. Sie ist nicht verwandt mit der Rosskastanie, sondern gehört zu den Buchengewächsen und wurde mindestens seit der Römerzeit in Deutschland kultiviert.
     
    In Deutschland gibt es die größten Vorkommen im südwestdeutschen Raum in den klimatisch bevorzugten Weinbauregionen. Zu nennen sind hier der Taunus, die Vorderpfalz, die Ortenau, die Bergstraße, der Rheingau, die Moselgebiete und auch der Untermain. Solitär oder in Gruppen in Parks und Gärten, Hainen und Wäldchen ist sie bundesweit zu finden. 
     
    Lichte Wälder mit Edelkastanien sind wegen ihrer Strukturvielfalt wertvolle Lebensräume. Sie werden von einer großen Anzahl von Insekten und Käfern besiedelt. An einzelnen Edelkastanien wurden seltene Flechten und Moosarten entdeckt, die teilweise als ausgestorben galten. Auch für die Bienen ist sie eine wichtige Nahrungsquelle. Eichhörnchen, Siebenschläfer und Krähen sorgen für die Ausbreitung der Maronen oder umgangssprachlich „Keschde“ genannten Früchte. Die versteckten Nahrungsvorräte keimen dann, wenn sie vergessen wurden, im Frühjahr. Aus den Samen gekeimte Bäume tragen erstmals mit etwa 25 bis 35 Jahren Früchte.
     
    Das Holz der Esskastanie ist mit dem der Robinie das dauerhafteste, das wir in Europa haben. Noch heute spielt es als Holz für Rebpfähle eine wichtige Rolle. Ebenso erlebt es eine Renaissance in der Möbelherstellung, bei der Lawinenverbauung im Bergwald und erzielt hohe Preise. Dank ihres hohen Stärkeanteils von 43 Prozent waren die Maronen über Jahrhunderte ein wichtiger Bestandteil der Armenkost im Süden Europas, bis sie durch die Kartoffel ersetzt wurden. Aufgrund ihrer Glutenfreiheit und der aktuellen großen Nachfrage nach hochwertigen Bio-Lebensmitteln ist die Esskastanie auch in diesem Bereich stark gefragt.
     
    Im vergangenen Jahrhundert wurde die Esskastanie durch einen eingeschleppten Pilz vor allem in Südeuropa dezimiert. Durch erfolgreiche biologische Bekämpfung erholt sie sich deutlich. Die Edelkastanie wird in unseren Wäldern als klimatoleranter Baum in Zukunft eine deutlich größere Rolle spielen.

    Copyright: Titelfoto Ylanite Koppens

  • 2017

    2017

    Jahresbaum 2017

    Die Gemeine Fichte (Picea abies)

    Der Brotbaum der Forstwirtschaft

    Über keinen anderen heimischen Baum wird so viel gestritten wie über die Fichte. Geschätzt als wichtigste Einkommensquelle wird die Fichte von Befürwortern der Artenvielfalt geschmäht. Ihre Wahl zum Baum des Jahres 2017 gibt Gelegenheit, mehr Klarheit in die Diskussion und die künftige Entwicklung dieses Baumes zu bringen.

    Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten die Menschen den Wald völlig übernutzt. Die Bäume wurden zum Heizen, Kochen und Bauen abgeholzt und verwendet. Dazu kam noch der hohe Bedarf durch den Schiffsbau, den Bergbau und die Glashütten. Das große Bevölkerungswachstum tat sein Übriges. Riesige Kahlflächen und nährstoffarme Böden führten zur Bevorzugung der schnell wachsenden und anspruchslosen Gemeinen Fichte (Picea abies), so dass große Flächen mit Fichten-Monokulturen entstanden.

    „Heute geht durch den Umbau in stabile Mischwälder der Anteil der Fichte zurück – in den letzten zehn Jahren um 2,5 Prozent und zwar um 242.00 Hektar, das ist in etwa die Fläche des Saarlandes. Auch der Klimawandel und die anhaltenden Stickstoffbelastungen, die die Ernährung der Fichte zusätzlich ins Ungleichgewicht bringen, setzen dieser Baumart zu. Ihre Schwächung zeigt sich in dem häufigen Auftreten des Borkenkäfers und dem flächenhaften Windwurf bei Stürmen“, erläutert Staatssekretär a.D. Wolfgang von Geldern, Präsident der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), den aktuellen Zustand der Fichte.

    Die Fichte ist mit 26 Prozent die häufigste Baumart Deutschlands. Aufgrund der vielseitigen Verwendbarkeit des Holzes (Papier, Bauholz) ist die Fichte weiterhin der Brotbaum der Forstwirtschaft. Ca. 90 % der Erträge aus der Holzernte kommen aus dem Verkauf der Fichte.

    Kulturgeschichtlich ist die Fichte eng mit uns verbunden. Die einfachsten und gröbsten Gegenstände vom Kochlöffel bis zum Dachstuhl sind aus Fichte, aber auch die wertvollsten: Das Deckenholz der berühmten Stradivari-Geigen (1648-1737) ist aus Fichtenholz mit besonders engen Jahrringen gefertigt. Für Cellos und Gitarren wird heute noch Fichte verwendet. Auch war sie eine Zeit lang der beliebteste Weihnachtsbaum; als Maibaum wird sie weiterhin verwendet.

    Copyright: Titelfoto Artur Pawlak