Kategorie: Jahresbaum

  • 2016

    2016

    Jahresbaum 2016

    Die Winterlinde (Tilia cordata)

    Der Name Linde kommt vom nordgermanischen „Iinda“ (= Binde), was auf die frühere Verwendung des Lindenbastes zu Bindearbeiten hindeutet. Linden werden bis zu 1.000 Jahre alt; sie hatten in früherer Zeit eine sehr hohe Bedeutung z.B. als Gerichts- oder Tanzlinde.

    Copyright: Titelfoto Hans

  • 2015

    2015

    Jahresbaum 2015

    Feldahorn (Acer campestre)

    Der Zierliche

    Er wird gerne übersehen, der Feldahorn auch Maßholder genannt. Wie seine Brüder Spitz- und Bergahorn benötigt er viel Licht und kommt daher meist am Waldrand, unter lichten Beständen oder in Hecken außerhalb des Waldes vor. Besonders hoch wächst er nicht und zählt somit zu den Bäumen zweiter Ordnung, doch alt werden kann er bis 200 Jahre.

    Der Feldahorn sucht sommerwarme Standorte, wie sie auch der Wein bevorzugt. Daher ist seine horizontale Verbreitung beschränkt auf etwa 800 m üNN, doch kalte Winter scheut er nicht. Sein natürliches Verbreitungsgebiet umfasst Süd- und Mitteleuropa, reicht im Süden bis nach Nordafrika und im Osten bis zum Kaukasus und nach Nord-Persien. Die mitteleuropäischen Eiszeiten hat er am Rande der südwestlichen Alpen überstanden und ist von dort langsam wieder nach Norden vorgedrungen. Bis nach Nordwest-Deutschland ist er nicht gekommen, wurde dort aber wie seine beiden Brüder durch Menschenhand gefördert.

    Die Ahorn-Arten gehören in die Familie der Seifenbaumgewächse zur Gattung der Aceraceae, die etwa 150 verschiedene Arten aufweist. Typisch für den langsam wüchsigen Feldahorn sind seine langgestielten, meist mit 5 stumpfen Lappen ausgezeichneten Blätter, die etwa 1/3 der Größe seiner Brüder haben. Die Stiele enthalten Milchsaft, der beim Abbrechen herausfließt. Besonders auffällig ist die lange anhaltende, meist gelbe Herbstfärbung. Die eher unscheinbaren Blüten zeigen sich Ende April bis Anfang Mai, sie sind auf Insektenbestäubung angewiesen. Im Juni kommt eine Vielzahl der ahorntypischen Doppelflügel-Nüsschen hervor, die sich im Herbst rötlich verfärben und dann reif werden. Im Unterschied zu seinen Brüdern, bei denen die Doppelfrüchte unterschiedliche Winkel bilden, stehen sich die beiden Samen meist waagerecht gegenüber.

    Der Feldahorn gehört zu den Baumarten, die in Steppengehölzen und Trockenwäldern überleben können. Zum Schutz gegen die Austrocknung weisen die Blätter eine Behaarung und eine dicke Wachsschicht oberseits auf. Auch die geringe Blattgröße und die Korkleisten an den Zweigen helfen mit, trockene Zeiten zu überleben. Im Gegensatz dazu ist der Feldahorn aber auch in der Lage; kurzzeitige Überschwemmungen zu ertragen und hat damit auch eine Verbreitung in den lichten Auenwäldern der Flussauen. Im Boden hält er sich mit einem Herz-Senkerwurzelsystem fest. Früher gehörte er wegen seines guten Stockausschlagvermögens zu den bevorzugten Baumarten der Niederwaldnutzung.

    Das Holz selbst ist aufgrund des langsamen Wachstums sehr zäh und fest. Es sieht dem seiner Brüder sehr ähnlich, kann auch etwas dunkler oder rötlich ausfallen. Gelegentlich wird das Holz für Drechsler- oder Schnitzerarbeiten und für Werkzeugstiele benutzt.

    Der Stamm erreicht nur geringe Dimensionen und eignet sich daher nicht für eine regelmäßige forstliche Nutzung. Die Rinde besteht aus einer Schuppenborke mit kleinen rechteckigen Schuppenstrukturen.

    Der Feldahorn ist inzwischen als Stadt- und Straßenbaum beliebt, da er neben seiner Genügsamkeit auch salz-, ozon- und immissionstolerant ist. Aufgrund seines langsamen Wachstums und der geringen Höhenentwicklung (bis ca. 20 m hoch) eignet er sich sehr gut für diesen Zweck. Auch als Gartenbaum oder einfach als Hecke ist er anzutreffen, da er das regelmäßige Schneiden gut verträgt.

    Anfällig gegen Schädlinge ist der Baum nicht. Er hat eine deutlich höhere Resistenz gegen Pilzbefall als seine Brüder mit einer Ausnahme, er ist im Sommer gegen Mehltau empfindlich. Auch Blattfraß der verschiedensten Insekten macht ihm wenig aus. Junge Bäume sind aber dem Äser des Wildes ausgesetzt, das ja immer die seltenen Arten sucht und verbeißt.

    Die Blätter wurden ursprünglich gerne als Viehfutter verwendet oder in Notzeiten auch als Sauerkrautersatz. Behauptet wird, dass der Blattsaft das Jucken der Insektenstiche lindern soll.

    Der Feldahorn ist medizinisch wenig bekannt. Derzeit wird diskutiert, ob sich Inhaltsstoffe des Baumes als Krebstherapeutikum eignen.

    Text: Michael Schlote

    Copyright: Titelfoto A. Stahl

  • 2014

    2014

    Jahresbaum 2014

    Traubeneiche – Quercus petraea

    Baum des Jahres 2014 ist die Traubeneiche

    Die Traubeneiche (Quercus petraea) ist zum Baum des Jahres 2014 gewählt worden. Die Eiche kennt hierzulande eigentlich jeder als Symbol der Beständigkeit. Ihr eindrucksvoller Habitus, besonders wenn sie im Freistand aufwächst, hebt sie aus den anderen heimischen Baumarten deutlich hervor. Fragt man aber nach den Unterschieden der beiden Arten Stiel- und Traubeneiche, kommen selbst Fachleute ins Grübeln. Das einzige einigermaßen verlässliche Kennzeichen sind die Früchte, nach denen die Namen vergeben wurden. Bei der Stieleiche (Quercus robur) strecken sich die Früchte (Eicheln) einzeln an langen Stielen vom Baum während bei der Traubeneiche diese ohne Stiele wie Trauben zusammenhängen. Nun passiert es gelegentlich, dass sich beide Arten kreuzen, sodass die Merkmale nicht mehr eindeutig sind. Das gilt besonders für die Blattgestaltung. Da kann man beim Versuch, beide Arten auseinanderzuhalten, schnell daneben liegen. Wer es nun ganz genau wissen will, der sollte einen Fachmann fragen, der sich Dendrologe nennt.

    Was macht die Traubeneiche so besonders interessant? Einmal ist sie in den Mittelgebirgen eine geschätzte Baumart, weil sie dort auch auf recht mageren und trockenen Standorten gedeiht. Ihre Standfestigkeit wird genutzt, um Bestände stabiler zu machen. Und ihre Langlebigkeit bis zu 800 Jahren ist bemerkenswert und verleiht Waldbeständen Kontinuität. Selbst nach forstlichen Kriterien ist ihre Nutzungszeit von 250 Jahren lang und bedarf einer guten Vorausschau, denn wer weiß schon, welches Holz nach dieser langen
    Wachstumszeit gefragt ist. Wir jedenfalls profitieren von der Weitsicht unserer Vorfahren, die diese Baumart ausgesucht und gepflegt haben, und die unseren Bedürfnissen heute zur Verfügung steht. Gehen wir einige Jahrzehnte zurück, finden wir eine jahrhundertealte Nutzungsform der Eichenbestände zur Schweinemast. Die Bauernweisheit “Unter Eichen wachsen die besten Schinken“ sagt alles dazu aus. Betrachten wir Fachwerkhäuser etwas genauer, finden wir bei den ältesten davon meist Eichenholz, das die Jahrhunderte gut überstanden hat. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es überwiegend Eichen waren, die aufgrund ihrer Gerbsäure in der Rinde eine Verwendung des Leders erst ermöglichten.

    Auf der Welt sind über 200 Eichenarten bekannt. Sie sind ausschließlich auf der nördlichen Halbkugel verbreitet besonders in Europa und reichen bis zum Kaukasus und dem Iran, aber auch in Nordamerika, in Asien und in Japan. Unsere beiden einheimischen Eichenarten haben ein deutlich unterschiedenes Verbreitungsgebiet, während die Stieleiche weit in den Osten und Norden vordringt, bleibt die Traubeneiche aus Finnland, dem Baltikum und Russland draußen. Sie folgt eher der Verbreitung der Rotbuche (Fagus sylvatica) und meidet das kontinentale Klima im Osten weitgehend. Ein besonderer Verbreitungsschwerpunkt liegt in Mittelfrankreich, im Pfälzer Wald, im Spessart und in der Göhrde. Die Traubeneiche verschmäht es im Gegensatz zur Stieleiche „nasse Füße“ zu bekommen. Daher ist sie eher im Mittelgebirge anzutreffen. Die Stieleiche schafft es in den Flussauen recht gut mit kurzzeitigen Überschwemmungen zurecht zu kommen. Damit hat die Traubeneiche auch wieder eine Gemeinsamkeit mit der Rotbuche, die ebenfalls keine Überschwemmungen verträgt. Das Wachstum beider Eichenarten ist in erster Linie von den Boden- und Klima-verhältnissen des Standorts abhängig. Bei optimalen Bedingungen erreicht die Stieleiche eine etwas größere Höhe (bis 50 m) als die Traubeneiche (bis 40 m) und wird auch deutlich schneller dick (bis 3 m). Dafür lässt sich die Traubeneiche etwas mehr Zeit und wächst zur Freude des Waldbesitzers gerade nach oben. Horizontal folgen die Eichen bei uns bis in Höhenlagen um 1.000m (Alpen), in den Pyrenäen auch bis 1.500 m. In Deutschland sind etwa 8 %, in Hessen 10 % der Waldfläche mit Eichen bestockt.

    Früchte tragen die Eichen etwa ab ihrem 40. Lebensjahr. Die Blüten des einhäusigen getrennt geschlechtlichen Baumes sind eher unscheinbar. Sie erscheinen je nach Höhenlage zwischen Ende April und Juni. Die winzigen roten weiblichen Blüten der Traubeneiche sind in Büscheln zusammengefasst, die gelblichen männlichen Blüten hängen wie an kurzen Fäden nach unten. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind, Insekten sind also nicht im Spiel. Die Früchte werden als Eicheln bezeichnet, die wegen ihrer harten Schale botanisch zu den Nüssen gezählt werden. Sie fallen noch im belaubten Zustand ab Oktober von den Bäumen. Trotz harter Schale sind die Inhaltsstoffe sehr nahrhaft. Nicht nur die Hausschweine früherer Zeiten sondern auch Hirsche, Rehe und Wildschweine können bei einer Mast für die lange Winterzeit vorsorgen. Da gibt es aber noch weitere Nutznießer, die sogar dem Waldbesitzer Freude machen, indem sie Eichelvorräte anlegen. Eichhörnchen und Eichelhäher vergraben die Früchte für den Winter, was für eine gute Verbreitung der Eiche sorgt, werden sie im Schnee nicht mehr gefunden oder bei milden Wintern nicht mehr gebraucht (Hähersaat). Aber auch die Menschen haben in kargen Zeiten die Eicheln gesammelt und als Brotmehl- oder Kaffeeersatz genutzt. Die Eichen haben eine längsrissige, bis zu 5 cm starke Borke, die im Alter auch netzartig aufreißt. Verwechselungen sind mit Esche und Spitzahorn sehr leicht möglich.

    Viele unserer derzeitigen Eichenbestände sind ausschließlich durch die sorgsame Pflege des Waldbewirtschafters entstanden. Ihr Erhalt auf den geeigneten Standorten hängt somit von einer kontinuierlichen Waldpflege ab. Die Eichen sind Lichtbaumarten und benötigen zum Wachstum eine freie Krone. Konkurrenz zum Beispiel durch die schattenertragende Rotbuche vertragen sie nicht und sterben schnell wieder ab, wird ihnen das Sonnenlicht entzogen. Andererseits neigt die Eiche im Alter zum Austrieb schlafender Knospen am Stamm, den sogenannten Wasserreisern. Um das zu verhindern und die Stämme möglichst astrein zu halten, bedarf es einer dienenden Baumart. Diese muss den Stamm der Eiche gegen Licht abschirmen, sodass die schlafenden Knospen aus Lichtmangel nicht austreiben können. Je nach Standort kann das die Rotbuche, Hainbuche oder Linde sein, die in einem späteren Alter unterbaut wird. Nun darf diese dienende Baumart nicht in die Kronen der Eichen einwachsen und den Wachstumsprozess einschränken. Daher ist in dem 250jährigen Zeitraum, den die Traubeneiche benötigt, ein einmaliger Wechsel der dienenden Baumart nötig. Idealerweise erfolgt dieser Wechsel durch Herausnahme der stärksten Bedränger und Förderung der natürlichen Verjüngung der Eiche und der dienenden Baumart. Ein komplizierter Prozess, der nur mit Fingerspitzengefühl und richtiger Dosierung des Lichteinfalls gelöst werden kann.

    Im Rahmen der jährlichen Beobachtungen zum Waldzustand wird insbesondere die Kronenverlichtung der Waldbäume bewertet. Nach der letzten Veröffentlichung hat sich für 2013 eine deutliche Verbesserung bei den Eichen gezeigt. Die wird in erster Linie auf die geringe Aktivität der Eichenfraßgesellschaften zurückgeführt. Auch sind Absterbe-erscheinungen bei der Eiche zurückgegangen. Zu den Eichenfraßgesellschaften zählen hauptsächlich beide Frostspanner, Eichenwickler, in Südhessen auch Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner (Allergie), die bereits beim Austrieb der Eichen im Frühjahr einen Kahlfraß verursachen können. Das ist erst einmal nicht weiter schlimm, die Eichen treiben dann zum zweiten Mal aus. Kommen aber weitere Beeinträchtigungen wie Trockenheit, Spätfrost, Pilzbefall oder Wurzelschäden hinzu, kann der Baum auch im hohen Alter in sehr kurzer Zeit absterben.

    Das Holz der Eichen hat einen dunklen, harten Kern und einen hellen Splint. Das haltbare Kernholz ist begehrt zu vielfältigem Gebrauch im Fachwerkbau, Schiffsbau und Hausbau. Venedig steht auf Eichenpfählen, die in die Lagune gerammt sind und unter Luftabschluss Jahrhunderte überdauern können. Wertvolleres Holz wird zu Furnier verarbeitet und im Innenausbau von Häusern und zur Möbelproduktion verwendet. Fußböden, Türen und Fenster werden aus Eichenholz hergestellt, sollen sie länger halten. Auch im Außenbereich findet man Eichenholz in Gartenmöbeln, Zäunen und Gartengestaltungselementen. Und nicht zu vergessen ist der Brennwert der Eiche im häuslichen Kamin, es muss nur etwas länger getrocknet werden als Buchenholz.

    Text: Michael Schlote

    Copyright: Titelfoto A. Stahl

  • 2013

    2013

    Jahresbaum 2013

    Europäische Wildapfel (Malus sylvestris)

    Der Seltene

    Zum Baum des Jahres 2013 wurde der Europäische Wildapfel (Malus sylvestris), auch als Holzapfel bezeichnet, gewählt, eine Art, die schwer zu finden und zu bestimmen ist. Wer kennt ihn schon, den Wildapfel, der gerne Waldränder, Feldholzinseln, Auen- und Gebirgswälder besiedelt, denn er benötigt viel Licht. Es dürfte der seltenste Baum Deutschlands sein, den man sich da ausgesucht hat. Er verkriecht sich förmlich in die Waldecken, wo er ausreichend Licht bekommt und sein einsames Wachsen meist unerkannt vollziehen kann. Die forstliche Fachliteratur schweigt sich vornehm über ihn aus, da eine wirtschaftliche Verwendung einfach nicht existiert. Ein Waldbaum, der überwiegend strauchartig wächst, im Einzelfall mal 10 m Höhe und 30 cm Durchmesser erreicht, dabei noch krummes und häufig hohles Holz produziert, ist einfach nicht Wert, sich damit zu befassen. Aber eine Funktion muss er ja im Waldlebensraum haben, sonst gäbe es ihn nicht.

    Der Holzapfel gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Er ist eine Charakterart der Sommerlaubwälder und –gebüsche des Querco-Fagetea. Nach neuen gentechnischen Unter-suchungen scheint er nicht die Urform unseres Kulturapfels (Malus domestica) zu sein. Dieser stammt höchstwahrscheinlich vom Asiatischen Wildapfel (Malus sieversii) ab. Eine exakte Bestimmung wird durch Kreuzungen mit dem Kulturapfel auch noch erschwert.

    Das natürliche Verbreitungsgebiet des Europäischen Wildapfels umfasst fast ganz Europa und Vorderasien, ausgenommen sind Nordskandinavien, Nordrussland und Teile Griechenlands und Spaniens. In forstlich intensiv bewirtschafteten Wäldern hat er seines geringen Durchsetzungs-vermögens, seiner hohen Lichtbedürftigkeit und seines geringen Höhenwachstums wegen keine wirkliche Chance. Als bevorzugte Verbreitungsgebiete gelten die Tiefebenen Mitteleuropas. In den Alpen steigt er bis in 1100 m üNN hinauf. Man findet ihn zerstreut in Auenwäldern, auf Steinriegeln, in Hecken und Gebüschen auf frischen, nährstoff- und basenreichen Lehmböden in milder Klimalage. Diese natürlichen Standorte sind in der Vergangenheit durch den Menschen stark verändert worden, daher ist der Holzapfel in seinem Bestand akut bedroht.

    Der Holzapfel trägt weiche, spitz-eiförmige Blätter von 4 bis 8 cm Länge, die leicht gezahnt sind. Der Unterschied zum Kulturapfelblatt besteht darin, dass die Blätter des Holzapfels unterseits nicht oder kaum behaart sind. Kurztriebe können zu dornigen Fortsätzen ausgebildet sein. Die Blüten erscheinen von April bis Mai. Es sind wenigblütige Doldentrauben, deren Kronenblätter innen weiß und außen rötlich gefärbt sind. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, die von dem Duft der Blüten angezogen werden. Die ab September reifenden Früchte sind klein bis 3 cm im Durchmesser, gelbgrün gefärbt und meist mit einem Rotschimmer auf der Sonnenseite. Sie sind hart und schmecken mit ihrem hohen Gerbstoffanteil sauer und bitter. Das Holz des Baumes ist im Splint rötlich-weiß gefärbt, der Kern ist rotbraun. Es ist hart, feinfaserig, wenig elastisch und auch wenig dauerhaft, daher sind ältere Bäume meist innen hohl. Die maximalen Stammdurchmesser liegen bei etwa 30 cm. Die Rinde besteht aus unregelmäßig geformten Borkenschuppen. Das Höchstalter kann bis etwa 150 Jahre betragen.

    Die Blüten des Holzapfels sind wertvolle Nektar- und Pollenspender besonders für Bienen und Hummeln, da sie zur Verfügung stehen, wenn die anderen Obstbäume bereits verblüht sind. Die harten Früchte können durch Trocknen oder Kochen genießbar gemacht werden. Dieses Verfahren wurde von unseren Vorfahren schon in der Steinzeit praktiziert. Die Holzäpfel liefern auch einen exquisiten Brand, der aber mit viel Mühe bereitet werden muss. Wild, Kleinsäuger und Vögel bedienen sich gerne an den Früchten und sind für die natürliche Verbreitung der Baumart verantwortlich. Die Jungpflanzen erfreuen sich beim Wild als besondere Äsung großer Beliebtheit. Das Kernholz wird gerne für Arbeiten der Drechsler verwendet, hat aber wegen seiner nur geringen Verfügbarkeit keine wirtschaftliche Bedeutung.

    Von der Bibel über die griechische Mythologie bis hin zu unseren Sagen und Märchen hat der Apfel eine besondere Bedeutung. Es begann mit einem Apfel im Paradies und endete mit dem Apfel für Schneewittchen. Der Apfel steht für das Weibliche und dient als Fruchtbarkeitssymbol, auch wenn er einen männlichen Artikel trägt. Die Birne steht dagegen für das Männliche, eigentlich eine verkehrte Welt.

    Text: Michael Schlote

    Copyright: Titelfoto A. Staab

  • 2012

    2012

    Jahresbaum 2012

    Die Europäische Lärche (Larix decidua)

    Die etwas Andere

    Frisches Grün im Frühjahr und gold leuchtende Nadeln im Herbst, die Europäische Lärche (Larix decidua), Baum des Jahres 2012, ist ein wandlungsfähiger Nadelbaum, der noch andere Besonderheiten zu bieten hat. Der Nadelverlust im Winter steht in direktem Zusammenhang mit der Herkunft des Baumes. Die Lärche ist damit in der Lage, die höchsten Erhebungen der Zentralalpen zu besiedeln, wo sie die absolute Baumgrenze markiert. Ihr Vorkommen in den Gebirgswäldern Europas hat zu 4 Unterarten geführt, die als Alpenlärche, Sudetenlärche, Karpatenlärche und Polenlärche bezeichnet werden. Daraus lassen sich gleichzeitig die Hauptverbreitungsgebiete dieser Baumart ablesen. Die Lärche ist zum Beispiel im gebirgigen Österreich mit 25% an der Baumartenzusammensetzung beteiligt, in Deutschland nur mit einem Anteil von 2%, was aufgrund ihrer Heimat leicht zu erklären ist.

    An den älteren Zweigen der Lärche sitzen Kurztriebe, an denen in jedem Frühjahr hellgrüne Nadeln austreiben. Sie sind in Büscheln bis zu 50 Nadeln angeordnet. Dort sind auch die Blüten zu finden, die auffällig roten, stehenden weiblichen Blüten und die kleinen schwefelgelben männlichen Blüten. Der Baum ist also als einhäusig und getrennt geschlechtlich zu charakterisieren. Die sich aus den weiblichen Blüten entwickelnden Zapfen sind klein, enthalten bis zu 50 leichte Samen, die sich nach der Reife, die zwei Jahre dauert, gerne vom Wind forttragen lassen. Die neuen Triebe sind gelb gefärbte Langtriebe, die rundum mit Nadeln bedeckt sind und sich erst im zweiten Jahr zu den typischen Kurztrieben umwandeln. Das Erscheinungsbild des Baumes ist spitzkegelig zum besseren Schutz gegen Schneelasten. Es werden bei geeigneten Verhältnissen Baumhöhen bis 55 m erreicht, das Höchstalter wird mit 600 Jahren angegeben. Im Alter entwickelt sich eine dicke grobe Borke, die in tieferen Schichten karminrote Färbung aufweist.

    Die besonderen Eigenschaften der Lärche sind also ihre Winterfrosthärte und Leichtsamigkeit, was sie einerseits zur Besiedlung der Gebirge befähigt, ihr andererseits eine schnelle Ausbreitung auf geeigneten Flächen ermöglicht. Zusätzlich ist sie als Pionierbaumart in der Lage, Rohböden zu besiedeln. Dort kann sie ihren Lichthunger befriedigen, der von keiner Überschirmung beeinträchtigt wird.

    Die Lärche besitzt eine hohe ökologische Toleranz in kontinental geprägten Situationen. Geringe Niederschläge, niedrige Durchschnittstemperaturen oder kurze Vegetationszeiten haben keinen Einfluss auf ihre Überlebenschancen sondern lassen ihr Holz nur härter und fester werden. Gibt es von Allem etwas mehr, entwickelt sich die Lärche recht schnell in die Höhe und erreicht starke Stammdurchmesser.

    Die Lärche produziert schweres und hartes Holz, das in seinem Kernholz schön rotfarben gemasert und wegen seines Harzgehaltes im Außenbereich lange haltbar ist. Es gehört traditionell zu den Hölzern, die für den Innenausbau (Fenster, Türen, Treppen, Dielen, Vertäfelungen) in den Häusern der Gebirgsregionen eingesetzt wird. Es lassen sich auch langlebige Terrassenmöbel, Zäune, Pfähle, Holzpflaster, Spielgeräte oder Hütten daraus herstellen. Die Industrie hat das Lärchenholz für den Bergbau, den Lawinenschutz, für säurefeste Bottiche oder landwirtschaftliche Silos, für Wasser- und Schiffsbauten entdeckt. Voraussetzung für die lange Haltbarkeit ist das Entfernen des meist schmalen gelblichen Splints.

    Laut Feststellung von Plinius d. Ä. kann Lärchenholz weder brennen noch verkohlen, was nachweislich falsch ist.

    Die Schutzkraft der Lärche soll sich nach dem Glauben des Mittelalters gegen Feuer und Hexen bewährt haben. Der Baum dient danach dem Aufenthalt der dem Menschen wohlgesonnenen Waldgeister, während die bösen Waldgeister die dunklen Fichten- und Tannenwälder bevorzugen.

    Lärchensalben aus dem Lärchenterpentin sind bereits bei den Römern bekannt. Sie sollten bei Rheuma, Gicht und Ischias helfen und bestanden aus Bienenwachs, Öl und viel Lärchenharz. Erhitztes Lärchenharz auf die Brust aufgetragen soll bei Erkältungen mildernd und durchblutungsfördernd wirken. Gehandelt wurde Lärchenharz und -terpentin über Venedig, daher auch der gebräuchliche Namen „Venezianisches Terpentin“. In der Aromatherapie werden Essenzen des Lärchenharzes auch heute noch eingesetzt. Wer es gerne herb mag: Die jungen Langtriebe der Lärche lassen sich zu Wildgemüse verarbeiten.

    Empfindlich reagiert die Lärche auf Überschirmung oder Spätfrost. Ohne den größtmöglichen Lichtgenuss kann sich die Lärche nicht entwickeln. Obwohl sie den Winterfrost gut bewältigt, ist sie anfällig gegen Spätfrost, der ihre früh austreibenden Kurztriebe zum Absterben bringt. Sturmschäden sind auf den geeigneten Standorten selten, das Wurzelwerk verankert den Baum tiefgründig mit einer starken Herzwurzel. Gefahr droht auch selten vom Lärchenkrebs (Pilz), dem Lärchenwickler (Semasia diniana), der Lärchenminiermotte (Coleophora laricella) oder dem Lärchenblasenfuss (Taeniothrips laricivorus), die zwar Zuwachsverluste verursachen, aber normalerweise nicht zum Absterben des befallenen Baumes führen. Als Saprophyten finden sich gelegentlich verschiedene Röhrlingspilze in der nächsten Umgebung um die Lärchen. Gefährlich werden kann der Lärche aber der Lärchenbock (Tetropium gabrieli) und der Lärchenborkenkäfer (Ips cembrae), deren Auftreten in manchen Gegenden besonders auf den der Lärche nicht zusagenden Standorten zum flächigen Absterben der Bäume geführt hat.

    Aus den Ansprüchen dieses Baumes und seiner ursprünglichen Herkunft lässt sich unschwer ableiten, dass geeigneten Standorte zur Nachzucht dieser Baumart in Hessen nur begrenzt zur Verfügung stehen. Es lassen sich in längeren Abständen im Forst Anbauwellen für bestimmte Baumarten nachweisen. Auch die Lärche gehörte zu einer dieser Wellen verstärkter Anbautätigkeit. Sie wurde jedoch durch Standort angepasste Baumarten oder Schadinsekten wieder auf ihr ursprüngliches Areal zurück gedrängt, das in den Höhenlagen der Mittelgebirge zu finden ist. Reine Lärchenbestände sind im Rahmen naturgemäßer Waldbewirtschaftung unerwünscht. Bewährt hat sich die Lärche als Beimischung in Buchen-Naturverjüngungen oder als Randbepflanzung.

    Aufgrund der unbefriedigenden Ergebnisse mit der heimischen Lärche in den unteren Lagen wurde die Japanische Lärche (Larix leptolepis oder kaempferi) aus Zentral-Honshu in Japan eingeführt. Die Krone dieses Baumes ist deutlich breiter angelegt, die Äste sind stärker und die Nadeln in den Kurztrieben länger und blaugrün. Die Farbe der Langtriebe ist rotbraun und die Zapfenschuppen sind am Ende rosenförmig nach außen gebogen. Das Holz dieser Lärche ist deutlich geringwertiger. Es gibt inzwischen auch Kreuzungen zwischen beiden Lärchenarten, die als Larix eurolepis bezeichnet werden.

    Text: Michael Schlote

    Copyright: Titelfoto PetrGanaj