Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e.V. Kreisverband Stadt Darmstadt und Kreis Darmstadt-Dieburg
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Die Robuste und Langlebige

Baum des Jahres 2014 ist die Traubeneiche

 

Michael Schlote

 

Die Traubeneiche (Quercus petraea) ist zum Baum des Jahres 2014 gewählt worden. Die Eiche kennt hierzulande eigentlich jeder als Symbol der Beständigkeit. Ihr eindrucksvoller Habitus, besonders wenn sie im Freistand aufwächst, hebt sie aus den anderen heimischen Baumarten deutlich hervor. Fragt man aber nach den Unterschieden der beiden Arten Stiel- und Traubeneiche, kommen selbst Fachleute ins Grübeln. Das einzige einigermaßen verlässliche Kennzeichen sind die Früchte, nach denen die Namen vergeben wurden. Bei der Stieleiche (Quercus robur) strecken sich die Früchte (Eicheln) einzeln an langen Stielen vom Baum während bei der Traubeneiche diese ohne Stiele wie Trauben zusammenhängen. Nun passiert es gelegentlich, dass sich beide Arten kreuzen, sodass die Merkmale nicht mehr eindeutig sind. Das gilt besonders für die Blattgestaltung. Da kann man beim Versuch, beide Arten auseinanderzuhalten, schnell daneben liegen. Wer es nun ganz genau wissen will, der sollte einen Fachmann fragen, der sich Dendrologe nennt.

Was macht die Traubeneiche so besonders interessant? Einmal ist sie in den Mittelgebirgen eine geschätzte Baumart, weil sie dort auch auf recht mageren und trockenen Standorten gedeiht. Ihre Standfestigkeit wird genutzt, um Bestände stabiler zu machen. Und ihre Langlebigkeit bis zu 800 Jahren ist bemerkenswert und verleiht Waldbeständen Kontinuität. Selbst nach forstlichen Kriterien ist ihre Nutzungszeit von 250 Jahren lang und bedarf einer guten Vorausschau, denn wer weiß schon, welches Holz nach dieser langen Wachstumszeit gefragt ist. Wir jedenfalls profitieren von der Weitsicht unserer Vorfahren, die diese Baumart ausgesucht und gepflegt haben, und die unseren Bedürfnissen heute zur Verfügung steht. Gehen wir einige Jahrzehnte zurück, finden wir eine jahrhundertealte Nutzungsform der Eichenbestände zur Schweinemast. Die Bauernweisheit “Unter Eichen wachsen die besten Schinken“ sagt alles dazu aus. Betrachten wir Fachwerkhäuser etwas genauer, finden wir bei den ältesten davon meist Eichenholz, das die Jahrhunderte gut überstanden hat. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es überwiegend Eichen waren, die aufgrund ihrer Gerbsäure in der Rinde eine Verwendung des Leders erst ermöglichten.

Auf der Welt sind über 200 Eichenarten bekannt. Sie sind ausschließlich auf der nördlichen Halbkugel verbreitet besonders in Europa und reichen bis zum Kaukasus und dem Iran, aber auch in Nordamerika, in Asien und in Japan. Unsere beiden einheimischen Eichenarten haben ein deutlich unterschiedenes Verbreitungsgebiet, während die Stieleiche weit in den Osten und Norden vordringt, bleibt die Traubeneiche aus Finnland, dem Baltikum und Russland draußen. Sie folgt eher der Verbreitung der Rotbuche (Fagus sylvatica) und meidet das kontinentale Klima im Osten weitgehend. Ein besonderer Verbreitungsschwerpunkt liegt in Mittelfrankreich, im Pfälzer Wald, im Spessart und in der Göhrde. Die Traubeneiche verschmäht es im Gegensatz zur Stieleiche „nasse Füße“ zu bekommen. Daher ist sie eher im Mittelgebirge anzutreffen. Die Stieleiche schafft es in den Flussauen recht gut mit kurzzeitigen Überschwemmungen zurecht zu kommen. Damit hat die Traubeneiche auch wieder eine Gemeinsamkeit mit der Rotbuche, die ebenfalls keine Überschwemmungen verträgt. Das Wachstum beider Eichenarten ist in erster Linie von den Boden- und Klima-verhältnissen des Standorts abhängig. Bei optimalen Bedingungen erreicht die Stieleiche eine etwas größere Höhe (bis 50 m) als die Traubeneiche (bis 40 m) und wird auch deutlich schneller dick (bis 3 m). Dafür lässt sich die Traubeneiche etwas mehr Zeit und wächst zur Freude des Waldbesitzers gerade nach oben. Horizontal folgen die Eichen bei uns bis in Höhenlagen um 1.000m (Alpen), in den Pyrenäen auch bis 1.500 m. In Deutschland sind etwa 8 %, in Hessen 10 % der Waldfläche mit Eichen bestockt.

Früchte tragen die Eichen etwa ab ihrem 40. Lebensjahr. Die Blüten des einhäusigen getrennt geschlechtlichen Baumes sind eher unscheinbar. Sie erscheinen je nach Höhenlage zwischen Ende April und Juni. Die winzigen roten weiblichen Blüten der Traubeneiche sind in Büscheln zusammengefasst, die gelblichen männlichen Blüten hängen wie an kurzen Fäden nach unten. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind, Insekten sind also nicht im Spiel. Die Früchte werden als Eicheln bezeichnet, die wegen ihrer harten Schale botanisch zu den Nüssen gezählt werden. Sie fallen noch im belaubten Zustand ab Oktober von den Bäumen. Trotz harter Schale sind die Inhaltsstoffe sehr nahrhaft. Nicht nur die Hausschweine früherer Zeiten sondern auch Hirsche, Rehe und Wildschweine können bei einer Mast für die lange Winterzeit vorsorgen. Da gibt es aber noch weitere Nutznießer, die sogar dem Waldbesitzer Freude machen, indem sie Eichelvorräte anlegen. Eichhörnchen und Eichelhäher vergraben die Früchte für den Winter, was für eine gute Verbreitung der Eiche sorgt, werden sie im Schnee nicht mehr gefunden oder bei milden Wintern nicht mehr gebraucht (Hähersaat). Aber auch die Menschen haben in kargen Zeiten die Eicheln gesammelt und als Brotmehl- oder Kaffeeersatz genutzt. Die Eichen haben eine längsrissige, bis zu 5 cm starke Borke, die im Alter auch netzartig aufreißt. Verwechselungen sind mit Esche und Spitzahorn sehr leicht möglich.

Viele unserer derzeitigen Eichenbestände sind ausschließlich durch die sorgsame Pflege des Waldbewirtschafters entstanden. Ihr Erhalt auf den geeigneten Standorten hängt somit von einer kontinuierlichen Waldpflege ab. Die Eichen sind Lichtbaumarten und benötigen zum Wachstum eine freie Krone. Konkurrenz zum Beispiel durch die schattenertragende Rotbuche vertragen sie nicht und sterben schnell wieder ab, wird ihnen das Sonnenlicht entzogen. Andererseits neigt die Eiche im Alter zum Austrieb schlafender Knospen am Stamm, den sogenannten Wasserreisern. Um das zu verhindern und die Stämme möglichst astrein zu halten, bedarf es einer dienenden Baumart. Diese muss den Stamm der Eiche gegen Licht abschirmen, sodass die schlafenden Knospen aus Lichtmangel nicht austreiben können. Je nach Standort kann das die Rotbuche, Hainbuche oder Linde sein, die in einem späteren Alter unterbaut wird. Nun darf diese dienende Baumart nicht in die Kronen der Eichen einwachsen und den Wachstumsprozess einschränken. Daher ist in dem 250jährigen Zeitraum, den die Traubeneiche benötigt, ein einmaliger Wechsel der dienenden Baumart nötig. Idealerweise erfolgt dieser Wechsel durch Herausnahme der stärksten Bedränger und Förderung der natürlichen Verjüngung der Eiche und der dienenden Baumart. Ein komplizierter Prozess, der nur mit Fingerspitzengefühl und richtiger Dosierung des Lichteinfalls gelöst werden kann.

Im Rahmen der jährlichen Beobachtungen zum Waldzustand wird insbesondere die Kronenverlichtung der Waldbäume bewertet. Nach der letzten Veröffentlichung hat sich für 2013 eine deutliche Verbesserung bei den Eichen gezeigt. Die wird in erster Linie auf die geringe Aktivität der Eichenfraßgesellschaften zurückgeführt. Auch sind Absterbe-erscheinungen bei der Eiche zurückgegangen. Zu den Eichenfraßgesellschaften zählen hauptsächlich beide Frostspanner, Eichenwickler, in Südhessen auch Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner (Allergie), die bereits beim Austrieb der Eichen im Frühjahr einen Kahlfraß verursachen können. Das ist erst einmal nicht weiter schlimm, die Eichen treiben dann zum zweiten Mal aus. Kommen aber weitere Beeinträchtigungen wie Trockenheit, Spätfrost, Pilzbefall oder Wurzelschäden hinzu, kann der Baum auch im hohen Alter in sehr kurzer Zeit absterben.

Das Holz der Eichen hat einen dunklen, harten Kern und einen hellen Splint. Das haltbare Kernholz ist begehrt zu vielfältigem Gebrauch im Fachwerkbau, Schiffsbau und Hausbau. Venedig steht auf Eichenpfählen, die in die Lagune gerammt sind und unter Luftabschluss Jahrhunderte überdauern können. Wertvolleres Holz wird zu Furnier verarbeitet und im Innenausbau von Häusern und zur Möbelproduktion verwendet. Fußböden, Türen und Fenster werden aus Eichenholz hergestellt, sollen sie länger halten. Auch im Außenbereich findet man Eichenholz in Gartenmöbeln, Zäunen und Gartengestaltungselementen. Und nicht zu vergessen ist der Brennwert der Eiche im häuslichen Kamin, es muss nur etwas länger getrocknet werden als Buchenholz.

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